Das Geburtstagskind kränkelte oft und musste viel abspecken. Einmal ist der Jubilar sogar nur knapp dem Tode entronnen. Doch die Eisenbahnstrecke Strecke Köln-Overath lebt nach wie vor und wurde jetzt stolze 100 Jahre alt. Ein Jubiläum, das der Geschichtsverein Rösrath mit einem echten Prachtband würdigt.
Das Buch „Ein Bahn ins Bergische“ bietet auf rund 180 Seiten mit 350 vorwiegend historischen Abbildungen eine ebenso spannende wie unterhaltsame Reise durch 100 Jahre Eisenbahngeschichte zwischen den Städten Köln und Overath.
Zwei „Welten“ verbinden sich
Der Durchbruch für die schon seit 1884 bestehende Aggertalbahn geschah am 30. Juli 1910. Seit diesem Tag verbindet die Strecke mit dem fertig gestellten Hoffnungsthaler Tunnel zwei Welten miteinander – genauer gesagt Overath und Rösrath.
Die rund tausend Meter Tunnelstrecke veränderten das Bergische Land praktisch über Nacht. Bis dahin orientierten sich die Einwohner des Aggertals und von Hoffnungsthal immer nach Siegburg, Lohmar oder Bonn. Jetzt brachte die Eisenbahn die Menschen und die Industriegüter in weniger als 30 Minuten nach Köln. Und die Kölner wiederum nutzen die Strecke für ihre Sonntagsausflüge in die zahlreichen bergischen Gaststuben. Die Strecke von Overath nach Siegburg geriet hingegen zusehends ins Abseits und wurde im Jahre 1954 schließlich eingestellt.
Ein Tunnel als Lebensretter
Über die vielen Geschichten rund um diese bunte Bahnstrecke berichten die zahlreichen Autoren ebenso unterhaltsam wie kenntnisreich. Das Kapitel „ Als die Eisenbahn kam“ bietet zunächst einen historischen Hintergrund zur Entwicklung des Kölner Eisenbahnknotens.
Danach geht der Streifzug vom Bau der Aggertalbahn im Jahre 1884 über die bewegten Nachkriegsjahre bis hin zur turbulenten Gegenwart. Das Buch bietet zudem ungewöhnliche Reportagen über eine Hochzeit im Rösrather Bahnhof, über den legendären Bahnfotografen Fritz Zapp und über Horst-Dieter Heimann, für den der Hoffnungsthaler Tunnel sogar zum „Lebensretter“ wurde.
Auch die Modellbahnfreunde kommen auf ihre Kosten. Das Kapitel „Ein Eisenbahntraum, der niemals endet“ porträtiert den Modellbahner Wolfgang Heinen, der mit Sohn Paul im H0-Format den alten Hoffnungsthaler Bahnhof nachbaut.
Selbst der Kaiser schickte Großworte
Dazu gibt es zahlreiche historische Fotos von denkwürdigen Unfällen, über die Triebfahrzeuge der Strecke Köln-Dieringhausen bis hin zu alten Bahnhöfen, die längst nicht mehr existieren. Natürlich sind auch viele Streckenfotos mit ebenso vielen Loks abgebildet. Ergänzt wird das liebevolle gemachte Buch durch historische Zeitungsartikel und denkwürdigen Berichten von Zeitzeugen.
Das Buch verdeutlicht, dass die neue Eisenbahnverbindung für die Menschen im Bergischen Land damals ein Großereignis war. Viele Bewohner entlang der Bahnstrecke beflaggten ihre Häuser mit bunten Fahnen. Selbst der Kaiser schickte damals zur Einweihung des Tunnels Grußworte ins Bergische Land.
Dazu entpuppte sich Wilhelm II. als echter Eisenbahnfan. Seine “Majestät wünschte sich, dass man “neue Bahnen doch nicht immer nur aus Rentabilitätsgründen bauen möge”. Was wohl Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn dazu gesagt hätte?
Overaths damaliger Bürgermeisters Christian Simons forderte sogar schon bei der Eröffnung den baldigen Ausbau der Aggertalbahn bis nach Kassel und Mitteldeutschland. Doch das blieb ein Wunschtraum und die Strecke eine eingleisige Nebenbahn, wenn auch eine viel genutzte.
Aufbruchstimmung an der Agger
Immerhin ist die Aggertalbahn im Gegensatz zur Sülztalbahn und der Strecke Dieringhausen-Olpe in den achtziger Jahren einer schon mal angedachten Stilllegung von der Schippe gesprungen. Mittlerweile herrscht in Sachen Regionalbahn sogar wieder Aufbruchstimmung. Der Rat der Stadt Overath hat grünes Licht gegeben, um die Bahnsteige und den angrenzenden Busbahnhof barrierefrei zu gestalten.
Auch die Bahn AG entdeckt ihr fast schon vergessenes Stiefkind wieder. „Wir werden viel modernisieren, neue Haltepunkte errichten und bestehende ausbauen“, verkündete Bahnhofmanager Peter Kradepohl bei der offiziellen Jubiläumsfeier im Overather Kulturbahnhof.
Bis zum Jahre 2013 sollen die Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen in Höhe von rund 25 Millionen Euro abgeschlossen sein.
Damit stehen die Chancen ausgezeichnet, dass die Strecke Köln-Overath auch ihr 200-jähriges Bestehen feiert.
Eine Bahn ins Bergische
Ein Buch Zum 100-jährigen Bestehen der Eisenbahnstrecke Köln-Rösrath-Hoffnungsthal-Honrath-Overath
184 Seiten, 350 meist historische Abbildungen
Preis: 23 Euro
ISBN: 978-3-922413-61-5
Erhältlich ist das Buch „Eine Bahn ins Bergische“ ab dem 27. Oktober 2010 im Buchhandel und beim Geschichtsverein Rösrath



































3 Antworten bis jetzt ↓
1 Eine Bahn ins Bergische – 100-jähriges Bestehen der Eisenbahnstrecke Köln-Overath | DIE MODELLBAHNWOCHE // Okt 28, 2010 at 14:31
[...] Aktuelle Rezension auf Modellbahnwoche [...]
2 Eine Bahn ins Bergische – 100-jähriges Bestehen der Eisenbahnstrecke Köln-Overath « Bernd Franco Hoffmann // Okt 28, 2010 at 14:35
[...] Das Geburtstagskind kränkelte oft und musste viel abspecken. Einmal ist der Jubilar sogar nur knapp dem Tode entronnen. Doch die Eisenbahnstrecke Strecke Köln-Overath lebt nach wie vor und wurde jetzt stolze 100 Jahre alt. Ein Jubiläum, das der Geschichtsverein Rösrath mit einem echten Prachtband würdigt. Weiterlesen<!– [...]
3 Tausend Meter, die das Land verändern: Das Buch „Eine Bahn ins Bergische“ « Der Modelleisenbahnblog // Okt 28, 2010 at 14:37
[...] Das Geburtstagskind kränkelte oft und musste viel abspecken. Einmal ist der Jubilar sogar nur knapp dem Tode entronnen. Doch die Eisenbahnstrecke Strecke Köln-Overath lebt nach wie vor und wurde jetzt stolze 100 Jahre alt. Ein Jubiläum, das der Geschichtsverein Rösrath mit einem echten Prachtband würdigt. Weiterlesen [...]
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